Hier sind weitere Texte über Martin Waldseemüller, die dich interessieren könnten:
Martin Waldseemüller
Hier findet ihr mehr Informationen über Martin Waldseemüller, die Jahrhunderte in denen er lebte und seine Werke.
Wer war Martin Waldseemüller?
Martin Waldseemüller wurde wahrscheinlich zwischen 1470 und 1475 in Wolfenweiler bei Freiburg im Breisgau als Sohn des zünftigen Metzgers Konrad Waldseemüller geboren. Seine genauen Lebensdaten gelten als nicht gesichert.
Er selbst gräzisierte (=in (alt)griechische Sprachform übersetzen) seinen Namen später zu
„Hylocomylus“, wobei dieser in damaligen, sowie späteren Schriften und Aufzeichnungen als „Ilacomilus“ oder „Hylacomylus“ erscheint.
Ab 1490 studierte Waldseemüller dann an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg Mathematik und Geografie. Zu dieser Zeit lernte er auch den Elsässer Matthias Ringmann kennen, mit dem er ein paar Jahre später Werke veröffentlichte, die bis heute prägend sind. Beide waren Schüler des Philosophen Gregor Reisch, der sie mit Kartographie und dem geozentrischen Weltbild des Ptolemäus bekannt machte. Während des Studiums lernte er außerdem den Basler Drucker Johannes Amerbach kennen, der ihm die Kunst des Formschneidens und des Druckens lehrte.
Nach dem Studium zogen Waldseemüller und Ringmann in die elsässische Bischofsstadt Saint-Dié, um Mitglieder des humanistischen Gelehrtenzirkel „Gymnasium Vosagense“ zu werden. Dort arbeitete er als Professor für Kosmologie und Ringmann als Professor für Latein. Der Humanistenzirkel beschäftigte sich außerdem mit Kosmo- und Geografie und durch die organisatorische und finanzielle Unterstützung des lothringischen Herzogs René II., der Kontakt zu wichtigen europäischen Adelshäusern pflegte, hatten sie Zugang zu ausländischer Literatur, Seekarten etc. Darunter befanden sich auch die Reiseberichte des italienischen Seefahrers und Entdeckers Amerigo Vespucci, über seine Fahrten zur kurz zuvor entdeckten „Neuen Welt“. In diesen Berichten vertritt Vespucci erstmals die Meinung, dass Kolumbus keinesfalls einen neuen Seeweg nach Asien gefunden, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hat.
Als Waldseemüller im Jahre 1507 schließlich seine bekanntesten Werke, eine Weltkarte und eine Erdglobus-Segmentkarte, sowie Ringmann die Beischrift „Cosmographia introductio“ als dreiteiliges kartographisches Werk veröffentlichten, tauchte dort das erste Mal die Bezeichnung „America“ auf. Sie tauften den westlichen Kontinent nach Amerigo Vespucci, da sie der Auffassung waren, dieser wäre der wahre Entdecker der „Neuen Welt“ gewesen. Außerdem malte Waldseemüller die Landmasse als Erster als einen eigenständigen Kontinent. Während die Werke in konservativen Kreisen erst noch auf Ablehnung stießen, nahm die Wissenschaft diese an und so verbreiteten sie sich bald in ganz Europa.
Vier Jahre später verstirbt Ringmann und im selben Jahr veröffentlicht Waldseemüller die erste gedruckte Wandkarte Europas. In den folgenden Jahren erschuf er immer wieder kartographische Werke, wie die „Carta Marina Navigatoria“, die erste gedruckte Seekarte überhaupt oder die im Jahre 1513 erschienene Neuausgabe der „Geographie“ des Ptolemäus, an der er noch zusammen mit Ringmann vor dessen Tod gearbeitet hatte. Diese gilt als erster moderne Atlas, wobei hier die Bezeichnung „America“ fehlt und stattdessen Kolumbus als Entdecker Amerikas angeführt wird.
Waldseemüller erhält kurz danach vom Herzog von Lothringen ein Kanonikat, bevor sich seine Spur verläuft. Man geht davon aus, dass er zwischen 1518 und 1520 in Saint-Dié verstarb.
15. & 16. Jahrhundert - Zeitalter der Veränderung
Das 15. und 16. Jahrhundert war geprägt von Veränderungen und Entdeckungen. Diese Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur frühen Neuzeit wird auch als Renaissance (= „Wiedergeburt“) beschrieben, den Anfang einer Zeitenwende, die ihren Ausgangspunkt in Italien hatte. Das Mittelalter wurde als rückständig angesehen und man bezog sich wieder auf die Erkenntnisse der Antike und die menschliche Neugier, sowie den Wissensdurst. Man begründete die Anatomie und erfand die Zentralperspektive, was eine naturgetreue Abbildung auf einer zweidimensionalen Bildfläche möglich machte. Zu dieser Zeit stand die menschliche Existenz im Mittelpunkt und die Religion war zwar durchaus noch gegenwärtig, doch ersetzte nicht länger wissenschaftliche Arbeiten.
Mit der Renaissance einhergehend war der Humanismus (=Streben nach Menschlichkeit). Zu dieser Bewegung gehörten allerlei Menschen: Maler, Reisende, Philosophen, Wissenschaftler etc., unter ihnen auch das „Gymnasium Vosagense“, zu dem auch Martin Waldseemüller gehörte. Sie strebten nach Menschlichkeit und sahen sich selbst als Künstler und Schöpfer, die sich unter anderem für Geschichte, Bildung und besonders Errungenschaften und Werke aus der Antike interessierten. Sie setzten den Menschen als Mittelpunkt von Kunst, Kultur und Wissenschaft fest und erarbeiteten ein neues Menschenbild durch die Überprüfung alter Weltbilder durch ihren eigenen Verstand. Für sie war der Mensch von Grund auf gut und jeder habe das gleiche Recht, über sich selbst und sein Leben zu bestimmen. Man grenzte sich klar vom fatalistischen Glauben des Mittelalters ab und erklärte diesen als rückständig. Das Wissen aus der Antike erlangten die Humanisten unter anderem von Gelehrten, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach dem Fall Konstantinopels, dass letzte Überbleibsel des Oströmischen Reichs, nach z.B. Italien flohen und alte Schriften aus der Antike mitnahmen.
Die Erkenntnisse der Antike schlossen auch die des Ptolemäus mit ein. Dieser vertrat damals nicht nur die These, dass die Erde im Mittelpunkt von allem sei, sondern machte schon in der Antike die Annahme, dass die Erde die Form einer Kugel habe. Die Wiederentdeckung von antiken Schriften und Werken in der Renaissance und der Wille der damaligen Menschen, sich daraufhin vom Mittelalter abzugrenzen, ließ jedoch einen bis heute beständigen Mythos aufkommen: Dass die Menschen im Mittelalter noch glaubten, die Erde wäre eine Scheibe. Doch gerade Gelehrte, Kaufleute, Dichter etc. wussten anscheinend schon seit der Antike, dass dies nicht der Fall ist.
Als im Jahre 1492 Christoph Kolumbus Amerika durch Zufall entdeckte, Amerigo Vespucci diesen als neuen Kontinent beschrieb und Martin Waldseemüller zusammen mit Ringmann als Erster die westliche Landmasse als eigenständigen Kontinent malte und als „America“ betitelte, änderte sich die Sichtweise der damaligen Menschen gegenüber der Erde noch einmal drastisch. Auch der gerade mal 15 Jahre später folgende Thesenanschlag Luthers und die damit beginnende Reformation prägten die folgenden Jahrhunderte. Durch die Humanisten wurden Bibelübersetzungen in Volkssprachen ermöglicht, was Diskussionen zu Handlungen und Aussagen der Kirche zuließ. Zusätzlich profitierte die Bildung durch den im 15. Jahrhundert von Johannes Gutenberg erfundenen modernen Buchdruck. Nicht nur konnten dadurch humanistisches Gedankengut und Schriften verbreitet werden, sondern auch die Arbeiten Waldseemüllers und Ringmanns. Durch diese revolutionäre Erfindung war es möglich ihr dreiteiliges kartographisches Werk und somit auch die Bezeichnung „America“ in Europa zu verteilen.
Auch in Freiburg gab es in diesem Jahrhundert tiefgreifende Veränderungen. Das Münster wurde fertig gestellt und im Jahre 1457 wurde die Albert-Ludwigs-Universität gegründet, an der viele Humanisten unterrichteten und ebenfalls Martin Waldseemüller später studierte. Dort traf er auch das erste Mal auf das Weltbild Ptolemäus, was für seine späteren Arbeiten ausschlaggebend war.
Die Werke Waldseemüllers
Die berühmte Weltkarte und die Erdglobus-Segmentkarte aus dem Jahre 1507 sind wohl Waldseemüllers bekannteste Arbeiten mit dem Namen „Universalis Cosmographia“ und gehören zu einem dreiteiligen kartographischen Werk, zu dem auch die, wahrscheinlich von Matthias Ringmann angefertigte, Beischrift „Cosmographia introductio“ gehört. In dieser stehen Gründe für die Namensgebung Amerikas und eine lateinische Übersetzung der Reiseberichte Vespuccis. Der Waldseemüller Erdglobus ist eigentlich eine Segmentkarte, wahrscheinlich die erste überhaupt. Sie besteht aus zwölf aneinanderhängenden oval förmigen Segmenten, die, wenn man sie ausschneidet, um eine Holzkugel zu einem Globus gelegt werden können. Die Weltkarte trägt den langen Namen: „Universalis Cosmographia secundum Ptholomaei traditionem et Americi Vespucii aliorumque Lustratioues“ (=Die gesamte Kosmographie nach der Überlieferung des Ptolemäus und nach dem Augenschein Amerigo Vespuccis und anderen), umfasst zwölf rechteckige Einzelstücke, die zusammen eine Karte von ca. 3 m² ergeben und ist auf Europa zentriert. Auf beiden Karten ist Amerika als eigenständiger Kontinent zu sehen, zwar mit dem heutigen Wissen gesehen geographisch nicht mehr ganz korrekt, dennoch wegweisend. Im Gegensatz zu heute war der Kontinent, durch die noch nicht abgeschlossenen Erkundungen im Westen, recht schmal und lang dargestellt.
Die Werke gelten als „Geburtsurkunde Amerikas“, da sie als Erstes den westlichen Kontinent eigenständig und unter dem Namen „America“ darstellen. Waldseemüller und Ringmann waren der Meinung, dass Amerigo Vespucci der wahre Entdecker Amerikas sei und tauften den Kontinent daher nach dem Seefahrer und Kaufmann. Dieser schrieb nämlich als Erstes in seinen Reiseberichten über die „Mundus Novus“ (= „Neue Welt“), dass Christoph Kolumbus keinen neuen Seeweg nach Ostasien gefunden hatte, sondern auf einen neuen Kontinent gestoßen war. Sie benutzten eine weibliche Version von „Amerigo“ und begründeten dies auch in ihrer Beischrift zu den Karten: „Ein Viertel Erdteil ist durch Americus Vespuccius (wie sich aus dem Späteren ergeben wird) entdeckt worden, und ich sehe nicht ein, was uns hindern sollte, ihn Ameriga, gleichsam das Land des Americus oder America zu nennen, zumal Europa und Asia auch nach Frauen benannt worden sind.“ (vgl. „Cosmographia introductio“). Mit seiner Karte und Segmentkarte ließ Waldseemüller seine Zeitgenossen den eigentlichen Umfang der Erde erkennen und wie viel Wissen ihnen über diese noch fehlte.
Waldseemüllers Werke basieren außerdem grundlegend auf der „Geographia“ des Ptolemäus, der in dieser das komplette Wissen der Antike über die Welt beschrieb. Doch der Kartograph ging noch weiter und kombinierte das antike Wissen mit zeitgenössischen Karten aus z.B. Spanien oder Portugal. Er wendete sich komplett von den mittelalterlichen Karten ab, die weniger als Landkarten für Reisen benutzt werden konnten, sondern eher religiöse Weltanschauungen darstellten und bei denen unter anderem noch Jerusalem als Mittelpunkt angegeben wurde. Er benutzte Projektionen, um die dreidimensionale Erde auf einer zweidimensionalen Karte wiederzugeben, und stellte diese als Ganzes dar, ohne die im Mittelalter oder von Ptolemäus benutzten Fabelwesen oder Ökumene. Waldseemüller und Ringmann wollten durch ihre Werke die Erde und das Weltbild möglichst rational und genau wiedergeben. Ihre Zeitgenossen hatten daher ein großes Interesse an ihren Arbeiten und durch den gerade erst erfundenen modernen Buchdruck, war es möglich diese hundertfach zu vervielfältigen und in Europa zu verteilen, und so auch die Bezeichnung „America“.
Die Entdeckung Amerikas ist ein klarer Aspekt des Zeitenwandels. Dadurch wird nicht nur klar der Übergang zur frühen Neuzeit beschrieben, sondern viele sind auch der Meinung, dass ab diesem Zeitpunkt die Globalisierung startete. Doch auch Waldseemüller, ein Kartograph aus Freiburg, wirkte bei der Änderung der Weltansehung mit. Mit seinen Werken erschuf er Amerika als vierten, eigenständigen Kontinent und versah diesen mit einem Namen, der sich bis heute gehalten hat und uns ein ständiger Begleiter ist.
Heute ist von den prägenden Werken nicht mehr viel übrig. Die Erdglobus-Segmentkarte existiert insgesamt noch vier Mal, eine in der Münchner Unibibliothek. Von den Waldseemüller Weltkarten ist heute nur noch eine übrig, welche bis 2001 noch im Besitz des Adelshaus Waldburg-Wolfegg war und dann für 10 Millionen US-Dollar an die USA verkauft wurde. Heute hängt sie in der Library of Congress in Washington D.C. und ist seit 2005 Weltdokumentenerbe.